Leseforum

 
 

Überlegungen und Erfahrungen zur Pädagogik einer demokratischen Schule

von Professor (em.) Manfred Bönsch


Die Schulen generell, aber eben auch berufliche Schulen stehen unter erheblichem Erwartungsdruck von Abnehmern und Eltern, der Gesellschaft generell. Das Denken ist auf Abschlüsse und Qualifikation hin orientiert. Das ist einerseits gut und wichtig, verdrängt andererseits häufig pädagogisches Denken, das zunächst einmal den Schüler und seine Persönlichkeitsentwicklung im Blick haben will. Wenn dann noch institutionelle Zwänge das tägliche Lehrerverhalten bedrängen (allemal zu viel Stoff, immer zu wenig Zeit, Fachunterricht im engen 45-Minuten- Rhythmus, dauernder Wechsel zu anderen Klassen), wird es schwer, pädagogische Intentionen zu verfolgen.
Für eine Zwischenbesinnung sind drei Aspekte wichtig:

1. Das ganz persönliche Angebot eines Lehrers/einer Lehrerin
Das berufliche Selbstverständnis konzentriert sich häufig auf die Fachkompetenz. Wenn es gut geht, wird auch die Methodenkompetenz überprüft und verbessert. Aber es ist in Erinnerung zu bringen, dass die Vorbildfunktion entgegen allen (vergangenen) Zeitströmungen nach wie vor eine große Rolle spielt. Das Bild, das vor einem steht (Verhaltensweisen, Engagements, soziale Sensibilität), dem man nacheifern möchte oder das man doch für sich modifizieren möchte, ist als Orientierungshilfe für den, der noch auf der Suche nach sich selbst ist, ungemein wichtig. Die Art der Lebensbemeisterung, der Umgang mit Siegen wie mit Niederlagen, die Kommunikationsmodi (Gerechtigkeit, Fairness, Geduld, eine Sprache der Annahme, Souveränität in Konfliktsituationen), die Stellungnahmen zu den Problemen der Welt und des Alltags, gesellschaftlich-politisches Engagement, der Umgang mit dem Andersartigen, das möchte ein junger Mensch schon erleben können. Authentizität statt fremdelnder Rollenausübung, Vertrauensangebote, Verantwortung und Wertschätzung sind wichtige Qualitäten der Perso-
nenwahrnehmung. Die Sachen klären und die Personen stärken, wie es Hartmut von Hentig einmal gesagt hat, das sind die beiden Pole der Lehrertätigkeit.
2. Die Axiome pädagogischen Handelns
Die Axiome pädagogischen Handelns sind mit den sieben A zu fixieren: Achtung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Anspruch, Annahme, Angebote und Autonomie! Sie markieren die Grundqualitäten des pädagogischen Umgangs mit Schülern. Sie trotz aller institutionellen Einengungen durchzuhalten, ist oft nicht ganz leicht. Jeden prinzipiell mit einem Vertrauensvorschuss zu bedenken, jeden täglich ernsthaft wahrzunehmen, gegenüber jedem so etwas wie „respektvolle Überforderung“ zu praktizieren (ich traue dir das zu!), entsprechend differenzier-te Angebote zu machen, aber auch immer wieder Autonomie zu gewähren – das ist ein großes Programm!

3. Persönlichkeitsförderung
Wenn man sich darüber verständigen kann, dass fachliche Qualifikationen und die Orientierung an den Abschlussstandards die eine Seite der Medaille sind, die andere aber damit zu beschreiben ist, dass es um die Förderung von (noch nicht fertigen) Persönlichkeiten geht, sind fünf Zielbereiche pädagogischen Handelns auszumachen. Bekannt und natürlich zu bejahen ist die vielfach beschriebene und begründete Trias von Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenz. Lernen müssen Schüler selbst – das kann ihnen keiner abnehmen – und so ist die Förderung eines Selbstkonzeptes, das Selbstorganisation, Selbststeuerung und Selbstverantwortung beinhaltet, zentral wichtig. Sozialkompetenz mit den Subkategorien der Kommunikationsfähigkeit und der Kooperationsfähigkeit sichert den respektvollen Umgang mit anderen und vermeidet lästigen Egoismus, der sich ja auch bei Erwachsenen heute bis zu einer Art von Autismus fortentwickelt. Methoden-kompetenz ist hier gemeint als das Bündel von Lernstrategien, Lern- und Arbeitstechniken, das jeden in den Stand setzt, produktiv zu lernen.

....der ganze Artikel zum Download

 
 

Grundform verändern, damit alle Kinder mitspielen können

Gemeinsam spielen – Sport und Spiel verbindet und überwindet „Hindernisse“

Erfahrene und im Schulalltag stehende Sportlehrkräfte kennen die folgenden Fragestellungen der Schüler nach „Kleinen Spielen“ zu genüge.

  • Machen wir heute noch ein Spiel?
  • Spielen wir zum Schluss der Stunde?

Mit diesen Fragestellungen drücken sich die Wünsche der Jungen und Mädchen nach Spaß, Spannung, Erfolgserlebnissen und nach freudvoller Bewegung in spielerischer Form aus. Kleine Spiele werden meistens zum Schluss der Sportstunde angeboten und bilden dann den (oder einen nochmaligen) Höhepunkt der Sportstunde.
Kleine Spiele als Sportstunde-Highlights
„Kleine Spiele“ zeichnen sich dadurch aus, dass

  • die einfache Spielidee schnell zu vermitteln ist und von den Jungen und Mädchen gleichermaßen praktisch umgesetzt werden kann, d. h. es können meistens alle gleich mitspielen; 
  • bei den Schülerinnen und Schülern unabhängig vom sportlichen Leistungsvermögen umgehend ein freudvolles Mitein- und Gegeneinander entsteht; es macht Spaß und man ist mit viel Freude dabei und in der Regel sind keine besonderen Fertigkeiten und Fähigkeiten erforderlich, um am Spielgeschehen aktiv teilnehmen zu können;
  • sie keine zeitliche Begrenzung aufweisen, d. h. es gibt keine festen Spielzeiten; 
  • das Spielgerät austauschbar ist, z. B. statt eines Handballes kann auch mit einem Soft-, Gymnastik- oder Basketball gespielt werden; 
  • die Spieleranzahl einer Mannschaft oder Gruppe nicht starr festgelegt ist, viele Spiele sind mit wenigen Schülern genauso durchführbar wie mit größerer Schüleranzahl;
  • das Spielfeld unter Beachtung der Schüleranzahl und Gegebenheiten verändert werden kann, d. h. verkleinert bzw. vergrößert werden kann; 
  • die Spielregeln insgesamt flexibel gehandhabt werden können, z. B. ein Ballspiel statt mit einem Ball auch mit zwei Bällen oder ein Fangspiel mit einem Fänger später mit mehreren Fängern gespielt werden kann.

Aus dem Inhalt:

  • „Haltet das Feld frei“ - Veränderte Spielform - für heterogene Gruppen:
  • Völkerball - Veränderte Spielform – für heterogene Gruppen: „Völkerball verkehrt“
  • Sitzfußball - Veränderte Spielform – für heterogene Gruppen
  • Kastenhandball - Veränderte Spielform – für heterogene Gruppen
  • Austauschstaffel - Veränderte Spielform – für heterogene Gruppen

Rudi Lütgeharm (zur Person)
Studium für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen mit den Prüfungsfächern Sport, Geografie und Deutsch; langjährige Unterrichts-
erfahrungen an GS/OS/HS; Fachberater für den Schulsport / Fach- und Seminarleiter Sport in Osnabrück; ferner Lehrtätigkeit beim Niedersächsischen Turnerbund und an der Universität Rio de Janeiro „Gama Filho“ – Brasilien
Von 1994 bis 2007 Rektor einer fünfzügigen Grundschule in Melle/Niedersachsen mit über 500 Kindern.
Starkes Engagement in der praktischen Umsetzung für mehr „Bewegung“ im Schulalltag. Zahlreiche Veröffentlichungen von Büchern und Filmen mit den Schwerpunkten „Bewegte Schule / Bewegter Unterricht“ und „Sportpraxis/Heterogenität in der Grundschule und im Sekundarbereich I“.
Seit 1998 bis heute regelmäßiger Einsatz als Referent bei regionalen und überregionalen Lehrerfortbildungen und Kongressen, Lehrtätigkeit beim VBE und bei den Kompetenzzentren Vechta und Oldenburg etc. Der Autor bietet Workshops und schulinterne Lehrerfortbildung mit viel Praxis an. E-Mail: rudi.luetgeharm@t-online.de

Der gesamte Artikel zum Download!


Vier Tipps für Konflikte im Lehrer(innen)-Alltag:

Wie Sie stressfreier und souveräner mit Eltern-Ärger umgehen

Konflikte

Als Lehrer(in) werden Sie mit Konflikten und Ärgergefühlen konfrontiert – selbst dann, wenn Sie alles richtig gemacht haben. Schätzen Sie es auch so ein? – Die größten Belastungen ergeben sich nicht durch den Unterricht oder die Vorbereitung der Unterrichtsinhalte. Es sind die „Situationen drumherum“ mit Schülern oder mit Eltern. Mit den Schülern sind es – an mancher Schule – die Aufsichtszeiten in den Pausen. Es reicht von rauem bzw. aggressivem Schülerverhalten bis hin zum Vandalismus auf der Schultoilette. Wie ich aus Gesprächen mit Lehrer(inne)n unterschiedlicher Schultypen weiß: Der meiste Ärger geht nicht von Schüler(inne)n aus, sondern von deren Eltern.

Worum geht es inhaltlich? Manche Eltern sind z. B. mit Ihrem Unterricht unzu- frieden und plädieren für andere Methoden – selbst wenn diese objektiv sinnvoll und sogar vom Lernplan vorgeschrieben sind. Die mündlichen und schriftlichen Noten sind ein weiteres Konfliktfeld. Ein Schüler erlebt sich als „im Unterricht engagiert, mit guten Beiträgen“, während Sie ein anderes Bild haben. „Früher hat der Lehrer dann mit den Eltern gesprochen: Ihr Kind zeigt ein Verhalten, das Probleme bereitet, und zwar ... Die Eltern haben sich dann zu Hause mit dem
Kind ‚unterhalten‘.“ (Zitat aus Lehrer-Interview) Es ist zu vermuten, dass es in mancher Familie dann psychischen Druck oder körperliche Gewalt gegen die Schüler(innen) gab. Diese „Eltern-Denke“ ist – wie ich aus den Lehrerinterviews weiß – heute deutlich seltener. Die heutigen Eltenn nehmen das Lehrer-Feed- back mit nach Hause, um die Sichtweise des Kindes einzuholen und neben Ihre Lehrer-Einschätzung zu stellen. Die Lehrer-Perspektive und die Schüler-Per-
spektive: Sie sind hier gleichrangig. Nicht selten haben Eltern sogar die Tendenz, eher dem eigenen Kind zu glauben. Nach dem Motto: „Mein Kind lügt nicht.“ Dass es verzerrte Wahrnehmungen gibt, Auslassungen und sich unterscheidende Gewichtungen von Sachverhalten, das alles gerät aus dem Blick. Im schlechtesten Fall beginnt ein Streit darum, wer recht hat – zugespitzt
formuliert: wer lügt. Ist es Ihre Aufgabe, mit Eltern darüber zu streiten, wer recht hat: Sie oder der Schüler? – Die Antwort darauf lautet natürlich: Nein.

 

IKuF-Tipp 1:
Lassen Sie sich nicht auf „Wer-hat-recht“- Diskussionen ein. Beschreiben Sie den Eltern die Sachlage aus Ihrer Perspektive. Lassen Sie dann aber, wenn die Eltern sich nicht überzeugen lassen wollen, gegensätzliche „Wahrheiten“ nebeneinander stehen. Nutzen Sie Ihre Energie lieber dafür, dass sich das Problem nicht noch einmal in der Zukunft ergibt. Dies wird meist durch klare Absprachen erreicht.
Es fällt vielen Eltern schwer, schlechte(re) Leistungen ihres Kindes als wahre Tatsache anzunehmen. Sie kennen es vermutlich aus Ihrem Alltag: Die Eltern nehmen es persönlich. Es ist gewiss für die Eltern (psychisch) leichter, den Lehrer als den „Unwahrheit-Sprechenden“ auszumachen. Es fragt sich: Warum erreichen diese Wahrheiten über das eigene Kind nicht die Eltern? Warum nehmen Eltern die schlechten Leistungen ihrer Kinder persönlich? Dies liegt zum einen daran, dass einige Elternteile narzisstische Charakterzüge haben. Zugespitzt formuliert: Ihre Kinder sind eine Art Verlängerung ihres Selbsts. Eine Kritik am Kind wird dann (unbewusst) als eigenes Versagen
interpretiert und stark negativ erlebt. Hierdurch sind die zum Teil heftigen, emotionalen Reaktionen von Eltern zu erklären.
IKuF-Tipp 2:
In diesem Kontext gebe ich Ihnen den Tipp, Ihr Gegenüber (besser) zu verstehen. Nutzen Sie dieses Verstehen, um sensibel auf die Eltern eingehen zu können. Zum anderen ist die Art und Weise, wie Sie als Lehrer(in) kommunizieren, entscheidend dafür, wie die Kritik auf- bzw. angenommen wird. Die gleiche Rückmeldung kann auf sehr unterschiedliche Weisen kommuniziert werden.
IKuF-Tipp 3:
Die Kernfrage ist: Erleben die Eltern Sie als eine Person, die das Beste für ihr Kind möchte – oder als jemanden, der dieses nicht leiden kann und nur schlechtmacht. Wortwahl und Betonungen machen hier den Unterschied. Bei der Kommunikation von kritischen Sachverhalten gibt es einige Fallstricke. Kleinigkeiten entscheiden über den Erfolg eines Gesprächs und darüber, ob dieses stressig wird. Das sollte Sie aber nicht entmutigen. Die Kompetenz, in schwierigen Situationen zielführend zu kommunizieren, muss erlernt werden. Das richtige Feedback-Geben können Sie in einem Training einüben. Erweitern Sie Ihre Fähigkeiten! Es erspart Ihnen einige Nerven.Eine überzeugende Argumentation ist wichtig, reicht aber in vielen Elterngesprächen nicht aus, um den Konflikt erfolgreich zu lösen. Es geht immer auch um die psychologische Ebene: um zwischenmenschliche Dynamiken und die Haltungen der Beteiligten. Die Lösung eines Eltern-Lehrer(in)-Konflikts erfordert eine Perspektive, die zukunftsorientiert ist. – Allerdings: Ein Elternteil, das sich durch Worte verletzt fühlt, ist nicht in der Verfassung, konstruktiv an der Zukunft mitzuarbeiten.
IKuF-Tipp 4:
Der Ansatzpunkt für eine erfolgreiche Konfliktaustragung mit streitenden Schülereltern ist daher, bei sich selbst zu beginnen. Lassen Sie sich nicht durch das Gegenüber stressen oder frustrieren. Das professionelle Konfliktmanagement hält hier einige konfliktpsychologische Kenntnisse und Techniken bereit. Diese wirken sich über die Interaktion auch „befriedend“ auf Ihr Gegenüber, die Schülereltern, aus.

Müller

Dr. Timo Müller ist Konfliktmanagement-Experte des IKuF – Institut für Konfliktma nagement und Führungskommunikation
(www.ikuf.de). Er hat Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert, im Feld der Konfliktfor-schung promoviert und jahrelang im Weiterbildungsbereich von „Kinderschutz/Jugendhilfe“ gearbeitet.
Herr Müller ist Trainer, Vortragsreferent, Berater/Coach und Autor zu den Kompetenzfeldern „Erfolgreich Konflikte managen“ und „Effektiv Feedback geben“.
Weblink-Empfehlung:
Video-Podcast "Die 4 Irrtümer zum Konfliktmanagement am Arbeitsplatz" © IKuF (3:45 Min.)
Auf www.ikuf.de unter der Rubrik „Artikel und Podcasts“: Beitrag 27.
((http://www.ikuf.de/de/73-artikel-und-podcasts/349-irrtuemer_konfliktma - nagement_unternehmen_podcast.html ))

 

© Verband Bildung und Erziehung | Landesverband Niedersachsen | Ellernstraße 38 | 30175 Hannover