Lehrkräfte & Gesundheit
 
 
Stress

Gesucht: Europäische Antoworten auf Lehrerstress

 
 

Gute Schule ist nur mit gesunden Lehrerinnen und Lehrern sowie deren Schulleitung möglich! Dieser Feststellung wird von 2014-16 in einem gemeinsamen Projekt der europäischen Lehrergewerkschaften EUTCE und der Arbeitgeberseite EFEE nachgegangen.

Der VBE Deutschland hat hierbei die Chance, sich an diesem europäischen Gesundheitsprojekt zur Untersuchung von Lehrergesundheit aktiv zu beteiligen. Zielsetzung ist die Förderung von zufriedenstellenden und gesunden Arbeitsplätzen in Schule, um ein gesünderes – auch psychisches – Arbeitsleben aller dort Beschäftigten zu erhalten.

Die Wissenschaftliche Begleitung findet statt durch FFAS (Freiburger Forschungsstelle Arbeits- und Sozialmedizin, Deutschland), die auch die bundesweite COPSOQ-Befragung leiten.

Eine kurze Online-Befragung an alle europäischen Lehrergewerkschaften sowie 4 praktische Fallstudien sollen zu Folgendem führen: Konkrete und praktische Richtlinien sollen auf dieser Grundlage erarbeitet werden; angestrebt wird eine gemeinsame Entschließung zur Prävention für psychosoziale Gefahren im Bildungs- und Schulbereich.

Damit werden wir als Lehrergewerkschaft sogar von europäischer Seite in unserem Anliegen zur Lehrergesundheit unterstützt und können einen Grundstein für eine Europäische Leitlinie zur Lehrergesundheit legen.

Vom 1. November bis zum 4. November war die internationale Delegation des europäischen Gesundheitsprojektes „Psychosoziale Risiken und arbeitsbezogener Stress bei Lehrpersonen“ zu Gast in Aachen in Nordrhein-Westfalen.

Das Ziel der europäischen Delegation – bestehend aus rumänischen, belgischen, niederländischen und deutschen Vertreterinnen und Vertretern von Lehrerverbänden und der Arbeitgeberseite – war es, zwei Beispielschulen für eine Lehrer-Gesundheits-Fallstudie zu besuchen. Die Besuche an den drei Tagen standen unter der Frage, wie es der einzelnen Schule gelingen kann, Gesundheit für Lehrkräfte an der Schule zu unterstützen und eine positive Bilanz in Bezug auf den Work-Related-Stress (WRS) zu gewinnen. Gespräche mit dem VBE-Vorsitzenden Udo Beckmann sowie Vertretern des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW (MSW), des Schulamtes Aachen sowie des Schulverwaltungsamtes Aachen und Stolberg rundeten die Fallstudie durch Hintergrundinformationen ab.

Kleine Änderungen können viel bewirken, das zeigten die Grundschule Richterich und die Ganztagshauptschule Kogelshäuserstraße Stolberg in Aachen der Delegation. Um Stress vorzubeugen und psychosoziale Arbeitsbelastung abzubauen, hat die Hauptschule etwa ihre Zeitstruktur geändert und ihre Stundentafel umgebaut. So finden Mittagspause und Lehrerkonferenzen früher als bisher statt. Das sorgt für eine bessere Vereinbarkeit von Familienleben und Beruf und damit für mehr Motivation. Zeiten für Teambesprechungen werden gemeinsam in die Stundentafel eingeplant. Die Hauptschule nimmt außerdem als eine von 300 Schulen am Projekt des MSW zu „ Bildung und Gesundheit“ (BuG) teil und bucht darüber in regelmäßigen Abständen externe Referentinnen und Referenten zu Themen wie „Classroom-Management“, „ Elterngespräche führen“ oder „ Kommunikation“.

Kleine Änderungen können viel bewirken

Die neuen Schulräume wurden mit finanzieller Unterstützung von BuG mit lärmdämmenden Deckenplatten bestückt, ein Bewegungsraum (für Schülerinnen und Schüler sowie für alle Lehrpersonen) wurde eingerichtet und ein Ruheraum installiert. Dieser wird – neben dem Lehrerzimmer, in dem Kommunikation am großen Tisch auch an kleinen Gruppentischen stattfinden kann – gerne als Rückzugsmöglichkeit genutzt.


Die Grundschule nutzt ihre Fortbildungen ebenfalls für Gesundheitsthemen und hat die Schwerpunkte „Zeitmanagement“ und „Classroom-Management“ gewählt. Angesichts ihrer zwei Standorte hat die Schulleitung besonders die Stundenplanung im Blick, um unnötigen Stress zu vermeiden.

Für beide Schulen ist es wichtig, dass eine kollegiale Atmosphäre herrscht, die den Austausch von Sorgen, Nöten und Ängsten gestattet und somit der Anspruch, perfekt funktionieren zu müssen, gemildert wird. Dies wird von einer verständigen Schulleitung unterstützt und gefördert. Der Ansatz bewährt sich auch bei der Elternarbeit der Schulen. Bemängelt wurden von beiden Schulen die wenigen bis gar nicht vorhandenen Arbeitsplätze für Lehrerinnen und Lehrer, an die man sich zur Korrektur, Vor- und Nachbereitung ungestört zurückziehen kann.

Diesen Punkt griff der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann in seinem Gespräch mit der Delegation auf und verwies auf die seit Langem vorliegenden Erkenntnisse zu den Ursachen Stress im Lehrerberuf. Bereits 2004 stellte die sogenannte „Potsdamer Lehrerstudie“ fest, dass ein hoher Stressfaktor für Lehrerinnen und Lehrer darin besteht, dass sie nicht abschalten können. Dass sie ihre Arbeit mit nach Hause nehmen, abends und am Wochenende weiterarbeiten und keine Trennung zwischen Beruf und Privatleben vornehmen.

Der VBE arbeitet in diesem Zusammenhang mit Professor Sieland von der Universität Lüneburg zusammen, der Onlinetagebücher entwickelt hat, die Lehrerinnen und Lehrer freiwillig nutzen können, um ihre Arbeitsbelastung zu erkennen und selbstständig gegenzusteuern. Ebenfalls existiert seitens des VBE das Lehrerforum, ein Onlineportal, in dem Lehrpersonen anonym Fragen, Sorgen und Probleme aus ihrem Lehreralltag posten können, sich beraten lassen können. Mit landesweiten Lehrergesundheitstagen unterstützt der VBE sowohl einzelne Lehrkräfte, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten, als auch Kollegien, die gemeinsam Lösungen in Bezug auf die Erhaltung ihrer Gesundheit suchen.

Erfolgreiche Bildung ist untrennbar mit dem Gesundheitsaspekt verbunden

Die Arbeitgeberseite, das Ministerium für Schule und Weiterbildung, vertreten durch Staatssekretär Ludwig Hecke, seinem zuständigen Mitarbeiter Gerwin-Lutz Reinink, das Schulverwaltungsamt, die untere Schulaufsicht der Städteregion Aachen, Wolfgang Müllejans und Markus Terodde, bekräftigte, dass man einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz landesweit verfolge, in dem Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitung einbezogen sind. Erfolgreiche Bildung sei untrennbar mit dem Gesundheitsaspekt verbunden, sagte der Staatssekretär. Diese Einsicht war der Grund für das Projekt „Bildung und Gesundheit“, an dem landesweit etwa fünf Prozent der Schulen teilnehmen.

Insgesamt wird mit diesem Projekt der VBE-Forderung Rechnung getragen, sich auch auf europäischem Level mit dem Thema Gesundheit auseinanderzusetzen und von dort, durch möglichst verbindliche Richtlinien, präventiv die Lehrergesundheit zu unterstützen. Der VBE erwartet eine zeitnahe Umsetzung.

Ziel der europäischen Delegation ist, konkrete und praktische Richtlinien gemeinsam zu erarbeiten und darauf aufbauend eine gemeinsame Entschließung zur Prävention für psychosoziale Gefahren im Bildungsbereich auf europäischer Ebene zu verabschieden. Dafür wurden Onlinebefragungen sowie vier praktische Fallstudien durchgeführt. Initiatoren sind die Europäische Lehrergewerkschaft ETUCE, in der der VBE Mitglied ist, sowie die europäische Vereinigung der Arbeitgeberseite (EFEE). Die wissenschaftliche Begleitung findet statt durch FFAW (Freiburger Forschungsstelle Arbeits- und Sozialmedizin, Deutschland). Ausrichter der Deutschen Fallstudie ist der VBE Deutschland, für den die stellvertretende NRW-Landesvorsitzende Ute Foit im Vorbereitungsgremium die Deutschen Fallstudien geplant und organisiert hat.

Ute Foit, stellv. Landesvorsitzende NRW
Ute Foit, stellv. Landesvorsitzende NRW
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