Lehrkräfte & Gesundheit
 
 
Stress

Stark im Stress –
wie Lehrer und ihre Schüler*innen trainieren gut und gesund mit schwierigen Emotionen umzugehen

 
 

Viele Lehrpersonen erleben den Schulalltag als anstrengend bis belastend. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Aufgaben vielfältig, komplex und teilweise nur in Kooperation mit anderen (Eltern, Schüler*innen u. a.) zu erledigen sind. Doch oftmals findet diese Kooperation nicht und nur unzureichend statt und löst durch mangelnde Kontrollierbarkeit Stress aus. Die Häufung von Stresssituationen ohne regelmäßige Regenerationsphasen führt dann vielfach zu chronischem Stress, der nachweislich das Wohlbefinden, die Gesundheit und auch die Interaktionsqualität beeinträchtigt.

In diesem Beitrag wird ein Programm zum guten und gesunden Umgang mit Stress und negativen Emotionen vorgestellt. Das Besondere an diesem Programm ist, dass es eine Version für Lehrer*innen und eine für Schüler*innen gibt. Dadurch können Lehrpersonen einerseits selbst ihre Fähigkeiten zur Stress- und Emotionsregulation während der Unterrichtsvorbereitung und während des Unterrichts fördern. Andererseits steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch schwierigere Schüler*innen kooperationswilliger werden, denn die Schüler*innen trainieren ebenfalls ihren Umgang mit schwierigen Emotionen (z. B. Wut) und bauen gezielt hilfreiche Emotionen (z. B. Gelassenheit) und prosoziale, emotionale Fähigkeiten (z. B. Empathie) auf. Beide lernen dabei Strategien, die in der Schule und im Privatleben sehr nützlich sind. Somit reduziert sich oft auch objektiv die Belastung für Lehrpersonen.

Aber beginnen wir zunächst einmal ganz vorne: Viele internationale Studien haben gezeigt, dass ein guter und gesunder Umgang mit Stress und Belastungen erlernt werden kann. Auch einen hilfreichen Umgang mit schwierigen Emotionen kann man trainieren. Teilnehmer*innen solcher Trainings erleben trotz gleichbleibender Belastungen mehr positive Emotionen, schlafen besser, fühlen sich ausgeruhter und schaffen ihre Aufgaben leichter.

Um das zu erreichen, durchlaufen die Teilnehmer*innen des neuro-psychologisch fundierten Trainings Stark im Stress (www.sis-lehrer.de) drei Lektionen. In der ersten Lektion stärken sie ihre Ressourcen, um sich ein solides Fundament zu legen. Sie erarbeiten sich über Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen die Fähigkeit zur Erregungsregulation. Um das selbst einmal praktisch auszuprobieren, sind Sie eingeladen, das untenstehenden Experiment (Dauer ca. 30 Sekunden) einmal durchzuführen:

Experiment:

Setzen Sie sich jetzt bitte einmal ganz entspannt hin, lassen alle Muskeln in Ihrem Körper locker – so gut es geht – und achten Sie darauf, dass Sie ruhig und gleichmäßig atmen. Lassen Sie die Schultern hängen … Und jetzt versuchen Sie sich bitte einmal zu ärgern – bleiben Sie dabei aber entspannt sitzen, lassen Ihre Schultern weiter hängen und atmen Sie ruhig und gleichmäßig weiter. Wie gut funktioniert das Ärgern?
Und nehmen Sie jetzt einmal die Hände vor und ballen Sie diese zu Fäusten, so als ob Sie jemanden auf die Nase hauen wollten. Spannen Sie dabei Ihre Muskeln richtig an … Und versuchen Sie jetzt noch einmal sich zu ärgern. Wie gut klappt es jetzt?



Bei den meisten funktioniert das Ärgern deutlich besser, wenn sie angespannt sind. Über Entspannung und Achtsamkeit können Lehrpersonen und Schüler*innen das eigene Erregungsniveau willentlich mitsteuern. Allerdings funktioniert es in der Regel nur dann, wenn es gut trainiert und automatisiert ist. Zusätzlich lernen die teilnehmenden Lehrpersonen erstens noch hilfreiche Emotionen (wie z. B. Gelassenheit) in schwierigen Situationen abzurufen und zu erleben sowie zweitens innerhalb des turbulenten Schulalltags, in dem Pausen keine Pausen sind, sich wirkungsvoll zu erholen und ihre Akkus wieder aufzutanken.

In der zweiten Lektion werden Strategien erarbeitet, wie man Unveränderbares in Würde ertragen kann. Es wird also die Resilienz gestärkt. Die wirksamsten Strategien setzen nicht direkt beim Problem an, sondern helfen dabei, sich „Hornhaut auf der Seele“ wachsen zu lassen. Zum Beispiel wirkt die systematische Förderung von Selbst- und Fremdwertschätzung sehr Resilienz fördernd.

In der dritten Lektion geht es dann darum, aktiv die eigenen Emotionen zielgerichtet und nebenwirkungsbewusst zu beeinflussen. Das Gelingen von Kooperation (gerade mit schwierigen Interaktionspartnern) hängt vielfach von Interaktions-Emotionen ab. Deswegen geht es in der dritten Lektion des Trainings Stark im Stress auch darum, wie diese günstig beeinflusst werden können.

Für die Lehrer*innen-Version des Trainings gibt es die Möglichkeiten, drei dreistündige Präsenztermine für ein (Teil-)Kollegium zu vereinbaren oder nur zwei Präsenzveranstaltungen (zur ersten und dritten Lektion) durchzuführen und die zweite Lektion online selbstständig zu bearbeiten.

Die Schüler*innen-Version besteht aus sechs Modulen, die flexibel einsetzbar sind: Im ersten Modul erforschen Schüler*innen Stress und Emotionen, um das Thema zu entmystifizieren und zu enttabuisieren. Im zweiten Modul lernen sie verschiedene Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen, die flexibel und gut in den normalen Unterricht integrierbar sind. Im dritten Modul geht es darum, die Resilienz und den wertschätzenden Umgang miteinander zu stärken. Im vierten Modul werden die Schüler*innen gegen kurzfristige emotionale Verführungen (z. B. Freibad statt Hausaufgabe oder Prügelei statt Konfliktlösung) stark gemacht. Das fünfte Modul fokussiert den Umgang mit Werten und verfolgt die Frage, was es wert ist, dafür auch Entbehrungen hinzunehmen. Hier sollen die Schüler*innen selbst langfristige Entwicklungsziele formulieren, die bei der Regulation von Emotionen im sechsten Modul hilfreich sind. Grundsätzlich lässt sich jedes Modul auch alleinstehend durchführen. Einzig wichtig ist, dass Lehrpersonen selbst stark im Stress werden (die Erfahrungen der Wirksamkeit des Trainings selbst machen) und erst dann die Schüler*innen-Version absolvieren.

Marcus Eckert, Torsten Tarnowski, Bernhard Sieland


Weitere Informationen finden sich unter www.lehrergesundheit.eu.

Leuphana Universität Lüneburg – Institut für Psychologie

Prof. (em.) Dr. phil. Bernhard Sieland
Professor für Psychologie am Institut für Psychologie

Dipl. Soz.-päd. Torsten Tarnowski
Inkubator Kompetenztandem GesundheitsTraining.online (GET.ON)

Marcus Eckert – Lehrer
Psychologie-Doktorand

www.leuphana.de

Kontakt: Max Mustermann max@mustermann.eu
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Max Mustermann
max@mustermann.eu
 
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