„Der erhöhte Kreideeinsatz durch die Stoffverdichtung auf 8 Jahre im Turbo-Gymnasium hat ein ebenso altes wie bisher verdrängtes Problem dermaßen verschärft, dass wir die Augen nicht länger verschließen dürfen vor den gesundheitlichen Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler, das Lehrpersonal und nicht weniger für die Reinigungskräfte.“ Mit diesem dringenden Appell wandte sich die Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gitta Franke-Zöllmer, am Dienstag in Hannover an die Öffentlichkeit.
„Nach internen Studien der OPEC – Länder ist der Kreidestaub durchaus geeignet, Allergien auszulösen oder bestehende zu verstärken. Bei internationalen Vergleichen liegt Deutschland erschreckenderweise auf den vorderen Plätzen bei der ppm – Konzentration (pars per million) und bei den Ablagerungen in den Klassenräumen. Es ist geradezu zynisch, wenn die Verantwortlichen scheinheilig die Belastung pro Schüler umrechnen. Bei den außerordentlich hohen Klassenfrequenzen verschleiert das die Werte, die für die Klassenräume festgestellt wurden,“ so Franke-Zöllmer.
Interessant und aufschlussreich seien fächer- und schulformspezifische Erhebungen. Die Fächer Sport und Kunst kämen dabei auf die positivsten Werte, während Deutsch, die Sprachen und Mathematik sprichwörtlich `viel Staub aufwirbelten´. „Insbesondere die hohen Unterrichtszeiten von 34 bis 36 Stunden und der Lehrer – Tafel – aktive klassische Frontalunterricht in der gymnasialen Mittelstufe bilden eine fragwürdige Grundlage für besonders hohe Kreide-Emissionen.“ Ministerpräsident Christian Wulff appellierte inzwischen an die Lehrerschaft, durch neue Unterrichtsmethoden und durch verstärkte Schüler-Eigentätigkeiten die Gefahrstoffbedrohung zu reduzieren.
Gescheitert seien Versuche einiger europäischer Nachbarländer, dem Staub durch das Tragen von einem Mundschutz zu begegnen. In der Praxis habe sich gezeigt, dass Dauerschwätzer und Störenfriede nicht mehr lokalisierbar gewesen wären. Auch sei es verstärkt zu Disziplinlosigkeiten gegenüber Lehrern wie unentdecktes Zungerausstecken gekommen. Vielversprechend seien dagegen Versuche in der Weser-Ems-Region, mit besonders saugfähigen Besen mit einem Borstenbesatz vom heimischen Jungschweinrücken den Staub aufzunehmen.
Die Anregung der Ölmultis, nur noch Ölkreiden zu verwenden, sei schnell als reine Geschäftsidee entlarvt, wenn man an die hohen Rohstoffpreise denke. „Andererseits,“ so die Landesvorsitzende mahnend, „müssen wir auch die Hinweise wie die von IGLU und BOFROST ernst nehmen, dass es am Kreidefelsen von Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) immer wieder zu heimlichen Abbrüchen durch Unbefugte kommt, die langfristig zu ökologischen Schäden führen.“
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